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autor textu: 🏷️ Petra Hoftichová

Vladimír Kokolia

bar. katalog 🏷️ Napříč generacemi / Im Querschnitt,2008, vyšlo k výstavě: 🏷️ Nürnberg/Praha, Archiv hlavního města Prahy, Praha

Kokolias gemälde erscheinen oft wie Netze und auf den Blick des Betrachters wirken sie auch so. Sie erfassen ihn mit ihren Augen und ziehen ihn in die Tiefe des Bildes. Bewege er sich schon in Spiralen, auf geraden Linien oder springe er auf den zersplitterten elementen, so wird unser Blick doch in immer tiefere etagen des gemäldes geführt, taucht kurz an die Ober- fläche auf und versinkt wieder, solange sich der Betrachter das Bild in seiner ganzen Dimension nicht ganz „den eigenen Augen“ aneignet. Diese Art, die Tiefe des gemäldes zu thematisieren, ist wie geschaffen, massi- ve und eigentlich „unerfassbare“ Volumina, Strömungen und elemente, Wasser und Wind, aber auch Tasterfahrungen doch zu erfassen und eignet sich für das Sehen ohne Beobachter. Die Titel der Kokoliaschen gemälde, wie Hladina (Wasserspiegel), Uprostřed pole (inmitten des Feldes),

Křoví (gebüsch) oder Strniště (Die Stop- pelfelder), bestätigen das, auch wenn wir in ihnen anstelle exaltierter Kosmologien eher das Suchen der kosmischen Dimen- sion in den gewöhnlichen Dingen spüren.

So äußert sich auch der Künstler selbst über seine Werke. er behauptet, alle Bilder zunächst irgendwo tatsächlich gesehen zu haben, in einem konkreten Augenblick und einem einzigartigen Licht. er schafft sie nicht „auf der Leinwand“ als irgendwelche visuell denkbaren Kreuzworträtsel, sondern tritt durch die Leinwand in ihre räume ein und packt die malerei an ihren Schnittstellen.

Wer Kokolia vor allem aus den achtziger Jahren kennt, als einen Autor hunderter figuraler, das Schema der Beziehungen zwischen menschen und Systemen in schockierender Kürze wiedergebender Zeichnungen, wer sich vielleicht noch seiner visionären Texte und seiner exzentri- schen Auftritte mit dem avantgardistischen rockmusik-Trio „e“ entsinnt, der mag vielleicht in seinen meditativen malereien ein aktuelles „politisches engagement“ vermissen. Stattdessen bietet Kokolia dem Betrachter an, an seinen Harmonisierungs- bemühungen teilzuhaben und das Stau- nenswerte in der Alltäglichkeit zu suchen, was wie eine fast kathartische metamor- phose der früheren Zerrissenheit wirkt.

Kokolia sieht sich hauptsächlich als ma- ler, ist aber auch auf anderen gebieten schöpferisch tätig – dazu ist er Blogger, Professor an der Akademie der Bilden- den Künste, Webdesigner, Bauer und repräsentiert auch die 20. generation der Taijiquanfamilie chen… Undefinierbar- keit bleibt sein Hauptcharakteristikum.

🏷️ Hoftichová Petra🏷️ Nürnberg/Praha, 2008, Archiv hlavního města Prahy🏷️ bar. katalog🏷️ Biografická data🏷️ Deutsch__notoc__

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